DEUTSCHER KABARETT-PREIS 1998
Auszug aus der Laudatio:
"...Der knapp zweistündige Reise-Dia-Vortrag, als den Omurca sein Kabarettprogramm tarnt, ist bei ihm keine Strafe für den Zuschauer, sondern ein Heidenspaß. Illustriert von brillant gezeichneten Cartoons berichtet Omurca vordergründig von den Istanbul-Erlebnissen des lispelnden Skinheads Hansi, dem Übersetzer Simulti-Ali und dem Sozialarbeiter Botho Krauß - doch erzählt wird viel mehr: über gegenseitige Vorurteile von Deutschen und Türken, Skins und (Alt)Linken. Mit der Respektlosigkeit und Chuzpe eines, der sich das erlauben kann und darf, spielt der in der Türkei geborene und in Deutschland lebende Kabarettist mit den Klischeevorstellungen beider Nationalitäten. Dabei gelingt ihm eine inhaltliche Gratwanderung ohne moralischen Zeigefinger wie man sie pointierter und schauspielerisch komischer selten gesehen hat."
Muhsin Omurca illustriert diese Fahrt durch selbstgezeichnete Karikaturen, die als Dias gezeigt werden. Er treibt die Zuschauer in eine bösartig-heitere Welt zwischen Orient und Orientierung, Identität und Absurdität, Spass und Selbsthass, Lümmel und Kümmel, Lust und Frust, Bordsteinbeissen und zu Tode gehätschelt werden.
tagebuch eines skinheads in istanbul
Muhsin Omurca schlüpft gleich in zwei Rollen, die von Skinhead Hansi und dem Simultandolmetscher Ali, genannt Simulti-Ali. Aus deren Sicht erzählt er von Hansis "Umerziehungstherapie": vier Wochen Istanbul. Dazu ist der Skin vom Gericht verknackt worden, nachdem er "ein ganzes Stadtviertel abgefackelt hatte".
Doch zum Vergnügen ist Hansi nicht "an der Türkenfront". Zur Seite gestellt wurde ihm Multikulti-Freak Dr. Botho Kraus, der die Umerziehung vor Ort leitet: "Tee trinken und Vorurteile abbauen".
Hansi hätte einen "deutschen Knast mit Schwulen und Kinderschändern" vorgezogen. Der Skin muss sich fügen und wird von Botho mit der türkischen Kultur bekannt gemacht: Die Zivilisation begann mit der gestrandeten Arche Noah am Berg Ararat. Also:
"eigentlich sind wir alle Türken".