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WAS DENKST DU ÜBER DEN STATUS QUO VON INITIATIVEN WIE KANAK ATTAK? FERIDUN ZAIMOGLU HAT SICH IN SEINEN LETZTEN BÜCHER VON SEINEN FRÜHEREN ARBEITEN WIE "KANAK SPRAK" ENTFERNT. WAS SAGST DU ZUR REZEPTION VON FATIH AKINS FILMEN?
Kanak Attak ist mit dem Anspruch gestartet, eine politische Bewegung ins Leben zu rufen. Dann gab es die Überlegung, daraus einen think tank zu machen. Und zwischen all diesen Ideen gab es enorme interne Probleme mit Hierarchien und Ausblendungen. Dass das Thema "Schwarze Deutsche" erst sehr spät Thema bei einer Veranstaltung von Kanak Attak war, schien mit als ein Indiz dafür, dass ihr Ansatz, der ja versucht, sich von identitätspolitischen Festlegung freizumachen, sich der Gefahr aussetzt, bestimmte Machtkategorien nicht mehr zu beachten, die von körperlichen Zuschreibungen ausgehen.Feridun Zaimoglu hat sich Ende September in der "Zeit" zusammen mit Angela Merkel und der Anwältin Seyran Ates interviewen lassen. Die ganzen CDU-Aktionen, in denen die CDU rassistische Diskurse initiierte, die Unterschriftenkampagnen der 90er Jahre, die Asylantenhetze - all das kam nicht zur Sprache. Statt dessen hat sich Zaimoglu dazu bekannt, Deutscher zu sein und erzählte dann noch, dass er akzeptieren könne, wenn Leute Angst vor einer Massenmigration aus Anatolien hätten. Diese Angst der Deutschen, die Zaimoglu beschreibt, ist aus seiner Sicht nicht rassistisch besetzt. Diese "deutschen Ängste" aufzuwerten und sie als real zu beschreiben, bedeutet für mich eine politische Kapitulation. Bei der Rezeption von Fatih Akin ist mir aufgefallen, dass sowohl bei "Kurz und Schmerzlos" wie auch bei "Gegen die Wand" die Mainstream-Presse den Film immer mit Attributen wie "wild" und "kraftvoll" versehen hat. Alles Kategorien, die auf das Ursprüngliche, das Primitive hinweisen. Das ist ein Stück weit eine rassistische Arbeitsweise: Akin wird für ein emotionales Bedürfnis herangezogen, das einem Exotismus frönt, während die intellektuelle Arbeit eher weißen Regisseuren zugetraut wird.
JUNGE MIGRANTISCHE HIPHOPKÜNSTLER/INNEN SIND ANSCHEINEND NUR NOCH ERFOLGREICH, WENN SIE SOLCHE KLISCHEES BEDIENEN.
Ja, ähnlich wie beim Ethno-Comedy. Leute wie Kaya Yanar, Erkan und Stefan - aber es gibt ja auch echt gute Künstler wie z.B. Muhsin Omurca. Was ich am Comic "Kanakmän" interessant finde, ist, dass da ein Phantasie-Deutschland imaginiert wird, in dem der Superstar Kanakmän Hüsnü zum Rächer der getretenen und geschundenen Migrant/innen wird. Da artikuliert sich eine Politik, die den "Deutschen" sozusagen "auf die Fresse" haut. Das ist eine andere strategische Position als bei den üblichen Ethno-Comedians, denn bei denen bekommt jeder sein Fett ab und es wird eine Art Gleichberechtigung konstruiert, als gäbe es keine Machtdifferenzen. Wenn migrantische Selbstdarsteller die Rolle des native informants übernehmen, schwingt dabei mit: Endlich sagen Türken über sich selbst, was Deutsche sich nie trauen würden, über sie zu sagen. Diese Funktion des Tabubruchs ist zwiespältig, wie eben Praktiken des Signifying zwiespältig sind. Wenn durch Selbstkanakisierung rassistische Konnotationen salonfähig werden, ist das eine Form von politischer Entgrenzung, so dass manche Deutsche mit dem Verweis darauf, dass die sich ja selber Kanaken nennen, rassistisch verhalten. Da kommt es auch zu einer Schuldentlastung - und das Signifying schlägt um. Würde der Kanak-Diskurs dazu führen, dass Menschen lernen, machtkritisch zu denken und Differenzen zu beachten, dann wäre Signifying ein Schlüssel zu Empowerment, aber so gibt es eine negative Entgrenzung.